Geschrieben von Udo Thelen am 28. Mai 2014

Nun ist es heraus, was mit den im Rahmen der Koalitionsvereinbarung beschlossenen 6 Milliarden Euro für Bildung konkret geschehen soll. Aus Sicht der Hochschulen ist vor allem die Komplettübernahme des Bafögs durch den Bund ein echter Paukenschlag. Auch die schon in der letzten Legislaturperiode in Angriff genommene Anpassung des § 91b des Grundgesetzes kann nun endlich umgesetzt werden, was dem Bund die direkte Beteiligung an der Finanzierung von Hochschulen erlaubt.

Einzelheiten z.B. in einem Tagesspiegel-Beitrag:
http://www.tagesspiegel.de/wissen/geld-fuer-bildung-vom-bund…

Interessant ist in diesem Zusammenhang die Reaktion des ehemaligen FU-Präsidenten und heutigen Präsidenten der Universität Hamburg, Dieter Lenzen. Zwar begrüßte Lenzen gestern in einem DLF-Radiointerview grundsätzlich, dass beide Themen, also Finanzierung und Grundgesetzänderung, nun konkretisiert wurden. Die finanziell für Länder und Hochschulen bedeutsame Bafög-Gesamtkostenübernahme durch den Bund bedeute aber auch, dass diese Bundesmittel nun für wichtige weitere Zukunftsinvestitionen wie die Fortsetzung der großen Pakte nicht mehr zur Verfügung stünden.

Lenzens Einwand scheint mir berechtigt zu sein. Was nützt der per Grundgesetzänderung erweiterte Handlungsspielraum, wenn dem Bund dann anschließend die Mittel für Investitionen und Innovationen fehlen?

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Geschrieben von Udo Thelen am 27. Februar 2014

Im Auftrag der Bundesregierung haben sechs Wirtschaftswissenschaftler heute Empfehlungen zur Zukunft des Wissenschaftssystems und der beruflichen Bildung abgegeben. Lesenswert und detailgenau sind die Beobachtungen der überwiegend aus volkswirtschaftlicher Sicht argumentierenden Arbeitsgruppe, auch wenn die Datenauswertung – wie häufig bei derartigen Grundlagenuntersuchungen – teils auf veraltetes Zahlenmaterial zurück greifen muss.

Erstaunlich finde ich nach kursorischer Lektüre Folgendes: Die Auswertung am oberen Rand lotet systematisch die Erfolgsfaktoren für Innovaton und Leistungsfähigkeit des Wissenschaftssystems (universitäre und außeruniversitäre Forschung) aus. Am unteren Rand wird ebenso ausführlich die Rolle der dualen Berufsausbildung untersucht. Die in letzter Zeit häufig zu hörende Kritk an der zunehmenden Akademisierungswelle, die sich angeblich zu Lasten des Handwerks und der Fachkräfteentwicklung auswirke, findet sich auch an dieser illustren Stelle. Dass das Grundsatzthema “Lebenslanges Lernen” jedoch die bildungspolitische und makroökonomische Klammer darstellt, die für die sektorenübergreifende Leistungsfähigkeit eines Bildungssystems von entscheidender Bedeutung ist, bleibt leider weitgehend ausgeblendet.

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Geschrieben von Udo Thelen am 16. Januar 2014

In einem Interview im Tagesspiegel äußert sich Sebastian Thrun, Stanford-Professor und MOOC-Pionier, ein weiteres Mal kritisch zu der Arbeit mit MOOCs. Insbesondere die plattformunabhängige niedrige Bestehensquote von nur 3% bis 10% der Teilnehmenden beschäftige die Anbieter, die ja zunächst mit dem Anspruch angetreten waren, erstklassige Bildung als Alternative für teure traditionelle Studienprogramme für breite Bevölkerungsschichten zugänglich zu machen.

Weiterhin gilt zwar bei den kommerziellen MOOC-Anbietern, dass das Bildungsprogramm selbst kostenfrei im Internet angeboten wird; die begleitenden Tutorien und Betreuungsprogramme jedoch, die die Erfolgsquote erheblich erhöhen, sind kostenpflichtig. Die entstehenden Kosten liegen jedoch erheblich unter den Kosten für Studiengänge an amerikanischen Hochschulen, betont Thrun. Ein interessanter Effekt, den der Udacity-Gründer hervorhebt: Mit der Unterstützung eines MOOC-Anbieters sei es am Georgia Tech gelungen, die Kosten für ein Masterprogramm von 45.000 Dollar auf 6.600 Dollar zu senken – “für dasselbe Studium”.

Hier der Link zum vollständigen Interview:

http://www.tagesspiegel.de/wissen/sebastian-thrun-im-interview-moocs-sind-bisher-nicht-gut-genug/9331844.html

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Geschrieben von Kai Verbarg am 9. Januar 2014

steinstrategie

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In seinem nachdenkenswerten Buch setzt Holm Friebe dem nur scheinbar alternativlosen, hyperaktiven Change- und Innovation-Fetischismus unserer Tage die Passivität als produktive Ressource entgegen. Während sich die zahllosen Ratgeber auf dem Markt meist um hektisch gesteigerte Betriebsamkeit, zwanghafte Veränderung und absolute Flexibilität drehen, argumentiert er für innere Beständigkeit als langfristig klügere Strategie. Wohlgemerkt: es geht nicht um Prokrastination, nicht um Bremsen oder Verhindern, sondern um eine bewusste Entscheidung für Nicht-Handeln. Zielgruppe sind Menschen, die sich ganz allgemein mit Verhalten auseinandersetzen möchten. Nicht nur Wirtschaftspraktiker, die eine optimale Strategie ermitteln möchten, sondern auch alle anderen, die Verhalten im Alltag hinterfragen wollen, werden hier eine Menge lernen können. Der gut verständliche Stil des Autors ermöglicht jedem Interessierten einen guten Zugang zu dem Thema. Fremdwörter werden stets gut erklärt und es wird kein Vorwissen vorausgesetzt, wenngleich man natürlich einige bekannte Themen finden wird, wenn man beispielsweise schon Kahneman, Dobelli oder andere Autoren dieses Genres gelesen hat. Das Buch ist trotz seines schlanken Umfangs reich an Beispielen und interessanten Exkursen rund um das Thema. Sehr empfehlenswert!

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Geschrieben von Kai Verbarg am 16. Dezember 2013

Ende November hatte ich die Gelegenheit, die DUW als Impulsvortragender und Diskussionsteilnehmer im Rahmen der Fachkräftekonferenz der IHK Berlin zu vertreten. Unter dem provokant gemeinten Titel “Weiterbildung – auch wichtig?” ging es um die Frage, inwiefern Unternehmen durch ganzheitliche und planmäßige Bildungsangebote sowohl Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter binden, aber auch im Sinne eines “Employer Branding” zunehmend umkämpfte Bewerberinnen und Bewerber für sich interessieren können. Meine Ausführungen ließen sich als Aufforderung zusammenfassen, Weiterbildung müsse

  • systematisch geplant, begleitet und evaluiert sein;
  • von Unternehmensführung und Führungskräften priorisiert werden;
  • möglichst alle Mitarbeitendengruppen erfassen;
  • und fachliche mit überfachlicher Kompetenzentwicklung verbinden.

Dass dies in Unternehmen ganz unterschiedlicher Größe und Ausrichtung durchaus praktiziert wird, zeigten eindrucksvoll die Podiumsdiskutanten.

Podiumsdiskussion IHK Berlin 26.11.2013 Foto (c) Dr. Caroline Hardt, Hardtc.ommunications

 

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Geschrieben von Eva Cendon am 20. November 2013

Akademische Weiterbildung stellt besondere Herausforderungen – an Studierende ebenso wie an Lehrende. Das wissen alle, die mit diesem Bereich befasst sind. Immer geht es darum, Theorie und Praxis so zu verbinden, dass Reflexionsfähigkeit und damit die Vertiefung berufsrelevanter Kompetenzen gefördert wird. Dabei gilt es, die Weiterbildung in den oftmals ohnehin schon vollgepackten (Arbeits-) Alltag Berufstätiger zu integrieren.

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Geschrieben von Kai Verbarg am 5. August 2013

In Snapshots of Great Leadership gelingt es dem Autor J.P. Howell, das vielschichtige Thema Führung spannend, interessant und menschlich aufzubereiten; das relativ schlanke Bändchen (267 Seiten) eignet sich gut als Ergänzung zu gewichtigeren und theorielastigeren Abhandlungen. Führungstheorien kommen bei Howell aber auch nicht zu kurz, er gibt einen komprimierten Überblick über historische und aktuelle Führungsansätze. Schwerpunkt des Buches sind allerdings die 30 Porträts von Führungspersönlichkeiten (davon 25 “great leaders”, und 5 “bad leaders”), jeweils mit explizitem Bezug zu ausgewählten Führungstheorien. Dabei sollte deutlich werden, dass Führung ein komplexer Prozess ist und es den idealen Führungsstil oder die ideale Führungspersönlichkeit nicht gibt.

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Geschrieben von Kai Verbarg am 10. Juli 2013

Im Mai 2013 fand der weltgrößte Marktplatz der Weiterbildungsszene, die Jahrestagung der American Society for Training and Development (ASTD) in Dallas statt. Die Teilnehmenden aus aller Welt konnten wertvolle Impulse von Management- und HR-Vordenkern mitnehmen. Bei aller Euphorie über immer neue Vermittlungstechniken gilt, dass weitgehend nicht die technische Infrastruktur, sondern die organisationale Lernkultur in enger Vernetzung mit den individuellen Lernbedürfnissen den Lernerfolg bestimmt. Ein zentrales Thema waren die wesentlichen neuen Rollen, die Führungskräfte beim Erfolg des Neuen Lernens spielen – als „Learner, Leader, Listener und Coach“, wie es eine Vertreterin von General Electric formulierte.

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Geschrieben von Kai Verbarg am 11. Juni 2013

Die amerikanische Behörde für Arbeitsmarktstatistik hat errechnet, dass Baby Boomer im Lebensabschnitt zwischen 18 und 44 im Durchschnitt 11 unterschiedliche Arbeitsverhältnisse hatten und mehr als fünf Perioden von Arbeitslosigkeit erlebten. Für die jetzige und zukünftige Generationen kann man davon ausgehen, dass sich dieser Trend weiter verstärken wird.

Auch wenn das in den USA sicher bisher noch ein wenig extremer gilt als hierzulande -was heißt das für diejenigen von uns, die noch viele Arbeitsjahre vor sich haben und den Trend zu häufig wechselnden Herausforderungen nicht nur akzeptieren, sondern sogar begrüßen? Es ist sicher sinnvoll, sich permanent und kompetenzbasiert auf den nächsten Job vorzubereiten.

Folgende Empfehlungen können dabei helfen:

1) Fokussieren Sie solche Kompetenzen, die Sie für jeden potenziellen Arbeitgeber wertvoll machen und auch in der Selbstständigkeit unverzichtbar sind – Kommunikationsfähigkeit, Führungskompetenz, Veränderungsmanagement, Wissensmanagement, Projektmanagement, um nur einige zu nennen.

2) Seien und bleiben Sie à jour hinsichtlich der relevanten Megatrends und –themen: Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit, Empowerment und Diversity, Globalisierung, Demographischer Wandel, und andere mehr.

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Geschrieben von Kai Verbarg am 9. April 2013

In seinem aktuellen Beitrag zur Diskussion „Where Higher Education Went Wrong“ (etwa, „Was läuft falsch mit der universitären Bildung?“) argumentiert Zac Gochenour, dass die Signalwirkung eines Universitätsabschlusses für potenzielle Arbeitgeber mindestens genauso wichtig ist wie die in diesem Studium vermittelten Inhalte und erworbenen Kompetenzen.

Besser als jeder (potenziell verfälschbare) Einstellungstest oder jedes Bewerbungsgespräch signalisiere ein guter Abschluss an einer angesehenen Universität, dass eine Bewerberin oder ein Bewerber über ein Bündel an Eigenschaften verfügt, das für Erfolg in Bildung wie Beruf ausschlaggebend ist, u.a. Fleiß, Selbstorganisationsfähigkeit, Beharrlichkeit, Zuverlässigkeit, Zielstrebigkeit usw.

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