Lernergebnisse – verdammt, glorifiziert und bislang: un-beforscht!
Vor kurzem war ich beim Bologna Tag 2010 in Hall in Tirol in Österreich. Im Fokus standen Lernergebnisse. Interessant, wie diese Thematik (bildungs-)politisch Staub aufwirbelt: von den einen verdammt als Reduzierung von Bildung auf pure „Brauchbarkeit“, von den anderen glorifiziert als Allheilmittel für Transparenz und Vergleichbarkeit. Die Idee der Lernergebnisse ist eigentlich simpel: was jemand kann – der Output von Bildungsprozessen – steht im Mittelpunkt. Das heißt, das, was jemand nach Abschluss eines Lernprozesses tatsächlich in der Lage ist zu tun. Es ist das Ergebnis das zählt, nicht der Prozess.
Wichtig ist dabei die Überprüfbarkeit des Gelernten. Das wiederum bedeutet neue Anforderungen für Prüfungsformate und: wie kann jemand nachweisen, was er oder sie tatsächlich kann? Ist das gleichbedeutend mit dem Abschied vom klassischen Prüfungswesen und von Klausuren? Abschied vom klassischen Humboldtschen Verständnis von Universitas? Mitnichten! Dass Studium mehr ist, dass Bildungsprozesse mehr sind als das, was ab- oder überprüfbar ist, ist unbestritten. Dass, auf der anderen Seite, Gelerntes aber auch auf adäquaten und geeigneten Wegen beurteilbar sein soll, scheint mir einleuchtend. Und widerspricht nicht Ersterem.
Interessant ist, dass das Thema tatsächlich am Rande des akademischen Lebens stecken zu bleiben droht. Engagierte Personen, die nun ge- und vielfach auch überfordert sind, das Thema der Lernergebnisse in ihre hochschulischen Einrichtungen zu bringen und zu übersetzen. Sie sind vorrangig Bologna-Beauftragte, QualitätsmanagerInnen – nur vereinzelt sind es Lehrende, ProfessorInnen oder Personen aus dem Management der Universitäten. Mir scheint: je praxisnäher und je jünger die Hochschuleinrichtungen, desto interessierter. Wer mir fehlt: ForscherInnen – das Thema beinhaltet mehr als das Schreiben von Lernergebnissen, es impliziert interessante Perspektiven für das Lebenslange Lernen, und enthält insbesondere für Geistes- und SozialwissenschaftlerInnen spannende neue Fragestellungen für angewandte und durchaus kritische Forschung. Schade: denn so lässt sich auch dieses Thema angreifbar begreifbar und kritisierbar machen.
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