Punktuelle Wissensabfrage: Sind Klausuren noch zeitgemäß?

Geschrieben von Rebecca Wanzl am 30. Juni 2010

Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Sie studieren berufsbegleitend. Der erste Prüfungstermin steht fest und rückt von Tag zu Tag näher. Sie arbeiten, lernen (auswendig), arbeiten und stellen fest, dass Ihr Zeitmanagement ausgerechnet vor dem Prüfungstermin optimierungsbedürftig gewesen wäre. Sie reisen zur Prüfung an, die Hände schweißnass. Sie legen Ihre Prüfung ab, ungewiss, ob sich Vorbereitung und Aufregung gelohnt haben. Und jetzt die Frage: Ist das zeitgemäß? Nein, anders: Gibt es Alternativen?

Der Bedarf nach stärker handlungsorientierten Prüfungsformen ist auch nach der Ausbildungsreform von 1993 so nachhaltig, dass neue Prüfungsformen sämtlich den Vorzug erhalten: Ganzheitliche und komplexe Aufgaben, betriebliche Projekte, Dokumentationen, Präsentationen und Projektarbeiten finden als sogenannte situative Lernaufgaben Einzug in die Ausbildungsordnungen. Wenn nun schon Auszubildende und damit letztendlich auch Unternehmen und Organisationen von dieser Prüfungsreform profitieren, was bedeutet das nun für Leistungsnachweise innerhalb eines berufsbegleitenden Studiums? Ist nicht der Begriff berufsbegleitend schon Anforderung genug, Klausuren und mündliche Prüfungen weitestgehend aus den Curricula zu verbannen?

Ganz im Sinne eines weiterbildenden Studiums erhalten z.B. an der DUW jene Prüfungsformen den Vorzug, die die Anforderungen des beruflichen Alltags der Studierenden am besten widerspiegeln. Mit Projektarbeiten stellen Studierende unter Beweis, dass sie komplexe Probleme, allein oder gemeinsam mit anderen, nach den Standards wissenschaftlicher Arbeiten kritisch analysieren und einer Lösung zuführen können. Dabei können Projektarbeiten durchaus auch online angefertigt werden, beispielsweise in Wikis, Blogs und Foren. Hier werden zugleich fachlich-methodische wie auch sozialkommunikative Kompetenzen dokumentiert.

Der Praxisbericht ist eine besondere Form der Darstellung des Reflexionsprozesses. Hier steht die Analyse einer ausgewählten Situation im Kontext des jeweiligen Studiums im Mittelpunkt. Darüber hinaus spielt problembezogenes Lernen anhand von Fallaufgaben im berufsbegleitenden Studium eine besondere Rolle: Immer wieder haben Studierende Gelegenheit, ihr neu erworbenes Wissen an konkreten, praxisnahen Fallbeispielen zu erproben und zu vertiefen. Formen von Online-Prüfungen sind zum Beispiel, Feedback sowohl zu geben als auch mit dem Feedback konstruktiv umzugehen, das Studierende im Hinblick auf ihre eigenen Beiträge erhalten, oder gemeinsam mit Studienkolleginnen und -kollegen Fallstudien in einem Wiki zu erstellen.

Präsenzprüfungen können ebenfalls unterschiedliche Formen haben; sie zielen jedoch zumeist darauf ab, dass Studierende sozial-kommunikative und personale Kompetenzen unter Beweis stellen, so z.B. bei der Präsentation von Arbeits- und Lernergebnissen, allein oder in der Gruppe. Entsprechend den Anforderungen, die die berufliche Praxis an die Studierenden stellt, kommt in der Präsentationsprüfung das im Selbststudium erworbene und in selbstständiger Recherche vertiefte Wissen ebenso zum Tragen wie die an der DUW weiter gestärkte Fähigkeit, Sachverhalte adäquat aufzubereiten und sie authentisch und strukturiert darzustellen.

Also, ich kann mir Schöneres vorstellen, als mich zum jetzigen Zeitpunkt in meine Schulzeit zurückversetzt zu sehen…zumindest in punkto Klausuren. Und Sie?

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Ein Kommentar zu Punktuelle Wissensabfrage: Sind Klausuren noch zeitgemäß?

Franziska Martin

7. Juli 2010 um 09:02

Ich kann dem nur zustimmen. Für wen ist es schon von Vorteil, wenn er oder sie für ein ganz bestimmtes Thema auswendig lernt und dann nach ein paar Wochen oder im günstigsten Fall nach ein paar Monaten oder Jahren keine Ahnung mehr von der Thematik hat.
Es ist von besonderer Bedeutung, die Nachhaltigkeit des Gelernten zu fördern und das kann man am besten mit innovativen Lernformen, wie ich sie selbst kennengelernt habe – Lerntagebücher, intensive Reflexion und Austausch mit anderen. Man sollte sich mehr Zeit geben, um ein Thema wirklich zu verstehen, es hinterfragen und gegebenenfalls mit anderen in Kontakt treten, um das Gelernte zu überprüfen. Die angesprochenen Praxisberichte und Projektarbeiten an der DUW sind gute Beispiele dafür, wie man den persönlichen Lernerfolg vorantreiben kann.
Leider werden solche Lernformen und vor allem Reflexionsarbeiten viel zu selten angewandt.

LG, Franziska

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