Von der Wissens- zur Kompetenzgesellschaft

Geschrieben von Ada Pellert am 2. Juli 2010

In der Weiterbildungskultur hat sich ein wesentlicher Wandel vollzogen: Entwicklung von und Umgang mit Kompetenzen sind zur zentralen Aufgabe geworden. Vielen Unternehmen fällt die Implementierung aber noch schwer.

Ob im Kundenkontakt einer Bank oder in der Entwicklungsabteilung eines Automobilkonzerns: In vielen Berufen kommt es nicht nur auf Fachwissen an. Vielmehr müssen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Eigenschaften wie Einfühlungsvermögen, Kritikfähigkeit oder Durchsetzungsvermögen mitbringen, um die komplexen Herausforderungen im Arbeitsalltag zu meistern. Kompetenzen ermöglichen, in ergebnisoffenen Situationen handlungsfähig zu bleiben.

Mit der Frage, ob und wie Unternehmen solche Kompetenzen bewusst fördern und managen können, beschäftigte sich das Netzwerk Kompetenzplattform bei einem Workshop an der Deutschen Universität für Weiterbildung am 14. Juni in Berlin. Dabei erarbeiteten hochrangige Expertinnen und Experten aus Universitäten und Unternehmen der Auto‐, Bildungs‐, Banken‐ und Hochleistungsbranchen fünf Empfehlungen für Personalentwicklung und Weiterbildungseinrichtungen.

Fünf Empfehlungen für das Lernen in der Kompetenzgesellschaft

1. Lernen in realen Situationen

Schule und Weiterbildung müssen Lernende mit realen Herausforderungen konfrontieren und Raum
für Reflexion bieten. Emotionen helfen zum Beispiel, das Gelernte zu verinnerlichen. In der
beruflichen Weiterbildung gibt es viele gute Instrumente dafür – von Rollenspielen über kollegiale
Fallberatung bis hin zu Field‐Trips.

2. Unternehmenskultur für kompetenzorientiertes Lernen schaffen

Personalpolitik und Unternehmenskultur müssen Hand in Hand gehen – von der Auswahl bis zur
Weiterbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen die notwendigen Kompetenzen klar
umrissen werden. Die Mitarbeitenden sollen erleben, dass Führungskräfte lebenslanges Lernen
wertschätzen und tatsächlich leben.

3. Individuelles Lernen unterstützen

Die Verantwortung für das Lernen liegt bei den einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die ihre Kompetenzen selbst entwickeln. Unternehmen sollen dies fördern, indem sie zum Beispiel Voraussetzungen für informelles Lernen im Arbeitsalltag schaffen. Weiterbildungseinrichtungen müssen den verschiedenen Lerntypen unterschiedliche Zugänge und Lernformate bieten.

4. Werkzeuge für Kompetenzen entwickeln

Kompetenzen festzustellen ist schwieriger als eine klassische Wissensüberprüfung. Unternehmen
und Bildungseinrichtungen sollen gemeinsam Werkzeuge dafür entwickeln.

5. Kompetenzorientierung als Chance zum Austausch nutzen

Kompetenzentwicklung ist gemeinsame Aufgabe von Personalentwicklung und Bildungsinstitutionen,
von Schule und Weiterbildung. Den Blick auf Kompetenzen zu richten, bietet die Chance zum
Austausch zwischen Betrieben und Bildungseinrichtungen. Sowohl auf nationaler als auch auf
europäischer Ebene gibt es dafür vielversprechende Ansätze, die von Bildungseinrichtungen und
Unternehmen berücksichtigt werden sollten.

Tags: , , , ,

Abgelegt unter: Aus dem Präsidium

Sie können RSS-Kommentare abonnieren. Es besteht die Möglichkeit, diesen Artikel zu kommentieren oder einen Trackback von der eigenen Seite zu senden.

Kommentieren

Spam Protection by WP-SpamFree