Bildungspsychologie – Rezension

Geschrieben von Kai Verbarg am 18. August 2010

Der Begriff der Bildung kann auf den mittelalterlichen Philosophen und Theologen Meister Eckhart zurückgeführt werden. Er bedeutete für ihn das „Erlernen von Gelassenheit“ und wurde als „Gottessache“ angesehen, „damit der Mensch Gott ähnlich werde“. Seit jener Zeit hat der Begriff zwar zahlreiche Bedeutungswandlungen erlebt, die zentrale Bedeutung von Bildung für den Einzelnen und die Gesellschaft ist jedoch unverändert und unbestritten. Die Psychologie wiederum als diejenige Wissenschaft, die das Erleben und Verhalten von Menschen erforscht, hat sich schon früh mit psychologischen Aspekten von Erziehung und Bildung beschäftigt; ein theoretisch stringentes Modell haben aber erst in den letzten Jahren vor allem Christiane Spiel und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Arbeitsbereich Bildungspsychologie und Evaluation des Instituts für Wirtschaftspsychologie, Bildungspsychologie und Evaluation an der Universität Wien erarbeitet und dazu jetzt erstmals ein übersichtliches Lehrbuch vorgelegt, das vom Anspruch her wissenschaftlich, in Sprache und Aufbereitung jedoch auch dem Praktiker “niedrigschwellig” zugänglich ist.

Der Gegenstand des Bandes, also die Bildungspsychologie, beschäftigt sich aus psychologischer Perspektive mit allen Bildungsprozessen, die zur Entwicklung von bildungsbezogenen Persönlichkeitsaspekten beitragen, sowie mit den Bedingungen, Aktivitäten und Maßnahmen, die diese Prozesse beeinflussen, initiieren, aufrechterhalten oder unterstützen. Dieser recht umfangreiche Erklärungsanspruch wird strukturiert durch das von den Autoren entwickelte Modell, das entlang der drei Dimensionen (1) individuelle Bildungskarriere, also insbesondere die unterschiedlichen psychologischen Prozesse der verschiedenen Lebensalter,  (2) Aufgabenbereiche der Bildungspsychologie, also z.B. Forschung, Beratung, oder Prävention, und (3) Handlungsebenen bildungspsychologischer Maßnahmen, also vom Individuum über die Institutionen bis hin zur gesellschaftlichen Gesamtsicht aufgespannt ist.

Das Buch kombiniert systematisch 15 Überblickskapitel mit 30 illustrierenden Beispielkapiteln aus Forschung und/oder Praxis, die einen zielgenauen Zugriff auf die jeweils interessierenden Inhalte ermöglichen. Adressaten sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die im Bildungsbereich forschen, an Studierende und Lehrende der Psychologie, Pädagogik, Soziologie und des Lehramts sowie an alle im Bildungsbereich tätigen Praktiker, die sich mit psychologischen Aspekten des Bildungsgeschehens auseinandersetzen wollen.

Christiane Spiel, Barbara Schober, Petra Wagner, Ralph Reimann (Hg.): Bildungspsychologie. 2010. 457 Seiten. Broschiert. 39,95 €

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