Live and Learn
Der deutschen Redensart, „Man wird so alt wie eine Kuh und lernt immer noch dazu“ entspricht das angloamerikanische „live and learn“. Das reimt sich zwar nicht, ist aber doch knapper und einprägsamer, ganz abgesehen davon, dass sich Kühe in Zeiten der Massentierhaltung nur noch bedingt als Sinnbild für Langlebigkeit eignen. Und es stellt einen Zusammenhang zwischen Lernen und Leben her, der durch die pädagogische und entwicklungspsychologische Forschung in mindestens zweifacher Hinsicht bestätigt wird:
Der Mensch lernt, solange er lebt.
In der öffentlichen Wahrnehmung hat sich die Erkenntnis noch nicht hinreichend durchgesetzt, dass die etwas verstaubte Sichtweise von den Lebensphasen überholt ist. Heute wissen wir, dass nicht mehr ausschließlich in Kindheit und Jugend gelernt, im Berufsleben angewendet und im Alter vergessen wird.
Gelernt wird vielmehr in allen Lebensphasen, naturgemäß immer noch grundlegend im Kindes- und Jugendalter, aber auch danach lebens-, insbesondere berufsbegleitend und letztlich auch noch im Alter, selbst wenn Lernen dann vielleicht in erster Linie darin besteht, nachlassende körperliche und geistige Fähigkeiten durch neue Strategien zu kompensieren. Wer in Weiterbildung investiert, nimmt diesen Prozess in die eigenen Hände, gestaltet aktiv seine oder ihre Möglichkeiten und Potenziale.
Mit etwas mehr künstlerischer Freiheit gilt aber auch:
Der Mensch lebt, solange er lernt,
nämlich in dem Sinne, dass er oder sie am Leben teilnimmt, wächst, sich vervollkommnet, solange er oder sie Neues aufnimmt, verarbeitet und anwendet.
Im Bereich der kognitiven Fähigkeiten gilt „Stillstand ist Rückschritt“. Kinder, die in einer Umgebung aufwachsen, die arm an Reizen ist, sind später auf kognitivem, aber auch sozial-emotionalem Gebiet weniger leistungsfähig. Und auch im Beruf sind es die kleinen und großen Herausforderungen, die Notwendigkeit, sich täglich neuen Situationen, Menschen und Problemen zu stellen, die immer wieder anregend und spannend sind, und immer wieder neues Lernen ermöglichen. Die Neigung und Ausprägung dazu mag individuell unterschiedlich sein, aber im Grunde ist der Mensch so angelegt, dass er sinnvoll und produktiv tätig sein will – unabhängig vom Lebensalter. Auch hier ist es Weiterbildung, die die Möglichkeit bietet, sich mit immer neuen Zusammenhängen und Wissensbereichen zu beschäftigen – das kann modular die bisherige Karriere im Hinblick auf spezifische Kompetenzen ergänzen oder auch mal etwas inhaltlich ganz Anderes sein, um sich über den beruflichen “Tellerrand” einen größeren Überblick zu verschaffen oder eine neue Perspektive zu entwickeln… vielleicht sogar, um sich für einen neuen Lebens- und Berufsabschnitt ganz neu zu definieren.
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