Beziehungstypologie Wissenschaft-Wirtschaft

Geschrieben von Udo Thelen am 17. September 2010

Thomas Sattelberger, Telekom-Personalvorstand, an der DUW

Thomas Sattelberger, Personalvorstand der Telekom AG, hat in seiner Key Note anlässlich des DUW-Festakts am 3. September eine Typologie der Beziehungen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft vorgestellt. Diese Beziehungstypologie ist in doppelter Hinsicht interessant. Einerseits gewährt sie Einblick in die langjährigen Erfahrungen eines DAX-Vorstands, der als Hochschulkenner und kooperationsgestählter Experte für Personalplanung und -entwicklung gilt. Andererseits bestätigen Sattelbergers Beschreibungen auf amüsante Weise Erfahrungen, die in den Programmentwicklungsstäben von Hochschulen und in den HR-Abteilungen von Unternehmen wohl jeder einmal machen konnte/musste, der sich mit dem Aufbau und Betrieb von kooperativ ausgerichteten Studienangeboten beschäftigt.

Sattelberger unterscheidet die folgenden Beziehungstypen: “abgrenzendes Aufeinandertreffen”, “autistische Nicht-Beziehung”, “transaktionale Beziehung” und “partnerschaftliches Verhältnis”. Das “abgrenzende Aufeinandertreffen” zeichne sich auf Unternehmensseite z.B. durch das “Herumnölen an ‘schlechten Absolventen’” und das “Negieren der Berufsbefähigung von Bachelorabsolventen” aus. Auf Hochschulseite werden der vielerorts vorhandene Widerstand gegen die Bologna-Reform sowie Standesdünkel und das Festhalten an Statussymbolen (Promotionsrecht nur an Universitäten, Festhalten am Diplom der TU9) hervorgehoben. Die “autistische Nicht-Beziehung” drücke sich durch die Verschlossenheit gegenüber berufsbegleitender Weiterbildung auf Hochschulseite, durch die Ignoranz hinsichtlich der Bologna-Reform und unzureichende betriebliche Weiterbildungsinitiativen auf Unternehmensseite aus. Eine rein “transaktionale Beziehung” zwischen Hochschulen und Unternehmen sieht Sattelberger dort, wo die universitäre Lehre zugunsten lukrativer Drittmittelforschung vernachlässigt wird. Ebenfalls in diese Kategorie fällt die von ihm festgestellte “bildungspolitische Inkompetenz im Unternehmen”, die eine “Bestellermentalität ohne Qualitätskompetenz” nach sich ziehe. Auf Hochschulseite sieht der Telekom-Personalchef jedoch auch die fehlende Kundenleidenschaft als Grund für diesen eher unproduktiv-leidenschaftslosen Beziehungstyp.

Als vorbildlich im Sinne einer “partnerschaftlichen Beziehung” benennt Sattelberger vier Merkmale: beidseitige Stakeholder-Orientierung, gemeinsames Verständnis als Co-Investoren, Beziehung auf Augenhöhe und Bologna als Brücke zwischen Hochschule und Wirtschaft. Da geht doch jedem Hochschulmanager das Herz auf ! Oder nicht?

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