Nordische Weiterbildungsimpressionen

Geschrieben von Kai Verbarg am 12. November 2010

Delegation aus Helsinki zu Gast bei der DUW

In der Umsetzung zukunftsweisender Bildungspolitik ist Finnland, wie die Ergebnisse der PISA-Studien zeigen, sehr erfolgreich, wenn sich auch das gute Abschneiden unter Berücksichtigung demographischer Daten leicht relativiert. Weniger bekannt ist, dass auch die Erwachsenenbildung in Finnland einen hohen Stellenwert hat, zumal gerade die ältere Bevölkerung ein vergleichsweise niedrigeres Ausbildungsniveau vorweisen kann. Spannend war daher für mich der Besuch einer finnischen Delegation vom Palmenia Weiterbildungszentrum an der Universität Helsinki bei der DUW am 04.11. Dort nehmen ca. 11.000 Studierende an zurzeit rund 420 modularisierten Kursen teil und werden von einem Stab von etwa 200 betreut. Die finnischen Gäste freuten sich zwar, lobende Worte über das vorbildliche finnische Modell zu hören, waren aber selbst deutlich pessimistischer oder realistischer in ihrer Einschätzung.

Die kulturellen und historischen Besonderheiten Finnlands, wie auch die geringe, aber auf eine große Fläche verteilte Bevölkerung machen einen direkten Vergleich von Modellen schwierig. Auch sind die (öffentlichen) Bildungsaufwendungen erheblich höher als hierzulande. Deutlich wurde, dass das akademische Weiterbildungsangebot in Finnland sehr viel enger mit Behörden und öffentlichen Institutionen vernetzt ist, die einen Großteil der Weiterbildungsnachfrage bilden. Innovative Ansätze, wie z.B. die Finanzierung von strukturpolitisch interessanten Professuren durch Gemeinden oder Gebietskörperschaften in unterversorgten Regionen sind allerdings in Deutschland bislang undenkbar. Online- und Blended-Learning-Angebote spielen eine große Rolle; das DUW-Modell stieß auf großes Interesse. Palmenia und DUW wollen und werden in Zukunft verstärkt kooperieren – vielleicht können wir also schon bald auch Helsinki als Zielort eines Field-Trips anbieten!

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