Lebens- und Lerngeschichten
Zu voraufklärerischen Zeiten war die Überwindung des eigenen Standes und der gesellschaftlichen Stellung weitestgehend ausgeschlossen. Die Errungenschaften der geistigen und individuellen Emanzipation haben dem Menschen unendliche Möglichkeiten für die Gestaltung eines seilbstbestimmten Lebens gebracht.
Mit Öffnung zuvor rigider Wertesysteme, wurde der (berufliche) Lebenslauf also zunehmend auch als individueller und beeinflussbarer Prozess wahrgenommen.
Die Komplexität und Vielfalt der Herausforderungen, die an den Einzelnen gestellt werden, haben heute deutlich zugenommen. Jeder muss sein Leben selbst und immer wieder neu gestalten. Das bedeutet letztendlich nicht nur Zuwachs von Möglichkeiten und Freiheit. Es bringt auch die Notwendigkeit mit sich, sich selbst Stabilität und Sicherheit zu schaffen und das eigene Handeln zu verantworten und vor sich und anderen zu legitimieren. Die Frage des Warum oder vielmehr des Warum nicht im Lebenslauf ist notwendigerweise Thema geworden.
Das Lernen des Lernens steht im Vordergrund des Lebenslangen Lernens. Dies ermöglicht es überhaupt erst, nicht mit einem vorstrukturierten Lebenslauf zu rechnen, sondern sich spontan auf Herausforderungen einstellen zu können. Begreift man seine Lebensgeschichte als Lern- und Erfahrungsprozess, kann man dies produktiv für die persönliche Entwicklung nutzen. (Berufliche) Erfahrungen müssen hierfür reflektiert werden. Lernen bleibt nicht mehr nur auf das Ansammeln von Ergebnissen beschränkt, sondern zeigt sich auch in der Bereitschaft umzulernen oder bereits Gelerntes aufzugeben.
Wir lernen nie aus. Und gelangen so zu einer sich immer wieder neu erfindenden Form der lebensgeschichtlichen Erfahrung. Wir werden gezwungen, Veränderungen und Wandel in den Lebensweg zu integrieren. Aber Wandel einerseits und Kontinuität andererseits lassen sich nur dann miteinander verbinden, wenn Lernen als fester Bestandteil des gesamten Lebens begriffen wird.
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