Universität und Wirtschaft – völlig unmöglich, Zwangsehe oder Traumhochzeit?

Geschrieben von Rebecca Wanzl am 2. Dezember 2010

Was hat eine Walnuss mit der Bologna-Reform zu tun? Nichts, meinen Sie? Alles, sagt die Deutsche Telekom und legte ihrer Einladung zur Veranstaltung University@Telekom am 01.12.2010 in Bonn eine solche bei. Mit dem Auftrag, die „harte Nuss Bologna“ endlich zu knacken, trafen sich am vergangenen Mittwoch in Bonn Fach- und Führungskräfte aller Bereiche der Deutschen Telekom mit Vertretern und Vertreterinnen deutscher und (erstmals auch) internationaler Universitäten und Hochschulen zum gemeinsamen Austausch.
Die Deutsche Telekom ist eines der deutschen Unternehmen, die eine sogenannte Welcome-Bologna-Erklärung unterzeichnet haben. Unterzeichner dieser Erklärung sagen „ja“ zum Bachelor- und Mastersystem, sie sagen „ja“ zu Absolventinnen und Absolventen, die sich nach dem Bachelorabschluss bewerben und stellen diese Nachwuchskräfte ein, sie sagen „ja“ zu Menschen, die sich als Berufstätige weiterbilden möchten und unterstützen sie dabei.

Thomas Sattelberger, Vorstand der Personal Deutsche Telekom AG, polarisiert. Die Tatsache, dass die Deutsche Telekom doch eher mit privaten Hochschulen kooperiere, sei eher eine Not als eine Tugend, sagt er. Nein, wir Vertreterinnen und Vertreter der privaten Universitäten und Hochschulen nehmen ihm das nicht übel. Worum es doch letztendlich geht ist, dass die akademische Bildung einer breiten Masse, die letztendlich dem Fach- und Führungskräftemangel in Deutschland ein Ende bereiten kann und soll, nur von den öffentlichen Universität geleistet werden kann. In punkto Bologna sind es aber derzeit eben die privaten Universitäten und Hochschulen, die zu großen Teilen schon jetzt leben, was die Reform fordert; auch im Bereich Weiterbildung und Lebenslanges Lernen. Die öffentlichen Universitäten dürfen den Anschluss nicht verlieren, die privaten Universitäten und Hochschulen dürfen sich nicht ausruhen. Das ist es, wozu Thomas Sattelberger uns alle aufruft, und er hat Recht; verletzte Eitelkeiten haben an dieser Stelle keinen Platz. Es geht um die Zukunft unserer Bildung, die Zukunft unserer Unternehmen und letztendlich die Zukunft unseres Landes als innovationsfähigem Wettbewerber im internationalen Kontext.

Gemeinsam haben wir gestern erarbeitet, was Deutschland braucht:

  • Verbesserung der Anerkennung von beruflicher Qualifikation in Bezug auf den Zugang zu universitärer Bildung für Menschen mit langjähriger Berufserfahrung
  • verschiedene Modelle für berufstätige Aus- und Wiedereinsteiger, ob aufgrund von Elternzeit, Bildungssabbatical oder Lehrauftrag
  • Unternehmen, Universitäten und Hochschulen, die (weiter) gemeinsam daran arbeiten, dass Bologna nicht nur eine Reform auf dem Papier bleibt
  • innovative Modelle, die eine berufsbegleitende Promotion möglichen machen – nicht statt wissenschaftlicher Karrieren, sondern zusätzlich

Fazit: Ganz geknackt ist die Nuss noch nicht, aber sehen können wir den Kern schon … und wenn Universitäten, Hochschulen und Unternehmen weiterhin erfolgreich zusammenarbeiten, legen wir ihn frei. Die Telekom und wir sind überzeugt: Es lohnt sich!

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