PPP

Geschrieben von Udo Thelen am 18. Januar 2011

“PPP” heißt Public Private Partnership. Das Konzept ist schillernd und umfasst im allgemeinen Sprachgebrauch inzwischen fast alle Bereiche, in denen öffentliche Hand und private Partner auf irgendeine Weise miteinander kooperieren (gemeinsame Finanzierungen, Investorenmodelle, sale and lease back, gemeinsame Beteiligung an Unternehmen, etc.). Persönlich finde ich Projekte besonders interessant, die trotz intensiver Vorplanungen NICHT zustande kommen; da es in der Natur der Sache liegt, dass “Nicht-Realisiertes” in der Regel unbekannt bleibt, ist der Fall des neuen Zentralgebäudes der Universität Lüneburg (Leuphana) für PPP-Forscher gewissermaßen ein Glücksfall. Der von Stararchitekt Daniel Libeskind entworfene Bau sollte ursprünglich zusammen mit Tiefgarage und Hotel als PPP mit Unterstützung eines privaten Investors realisiert werden. Nach der Prüfung diverser Modelle und Vorschläge ist nun offensichtlich doch vorgesehen, den Bau vollständig als Eigenprojekt der Universität umzusetzen. Ein aktueller FTD-Beitrag resümiert die Eckdaten:

http://www.ftd.de/wissen/leben/:keine-geldgeber-erstes-ppp-b…

Laut Leuphana-Vizepräsident Holm Keller spart die Universität durch die Eigenrealisierung “einige Millionen”. Als Grund wird angeführt, dass man anfangs die Risiken des Vorhabens überbewertet habe; nach Ausarbeitung und Detaillierung der Planungen habe sich dann herausgestellt, dass die Risiken gar nicht so hoch seien und man entsprechend durch eine Eigenrealisierung des Vorhabens die hohen Risikozuschläge in den Planungsansätzen der Investoren einsparen könne. Das klingt plausibel. Als PPP-interessierter Leser wäre man an dieser Stelle aber natürlich brennend interessiert, mehr über die “Geschichte hinter der Geschichte” zu erfahren… Wer sich im hochschulischen Bereich mit PPP beschäftigt oder gar eigene Projekte realisiert hat, erahnt, wie komplex die Überlegungen und Planungen der Lüneburger Kollegen sind. Für den Bau wünsche ich allen Beteiligten alles Gute und eine glückliche Hand!

Über die PPP-Merkmale der Deutschen Universität für Weiterbildung (DUW) habe ich an anderer Stelle schon einiges berichtet. Da die Anteile der Trägergesellschaft zu gleichen Teilen der Freien Universität Berlin und der Stuttgarter Klett-Gruppe/DWG gehören, leben wir unsererseits täglich mit dem “konstruktiven Knirschen” unterschiedlicher Unternehmenskulturen. Wir sind dabei der festen Überzeugung, dass gerade wissenschaftliche Weiterbildung diese Spannung benötigt, um mit kreativen Ansätzen an der Schnittstelle von Theoriebildung und Praxisorientierung Studierende bei der Wahrnehmung ihrer beruflichen Aufgaben und der Gestaltung von “work-life-education-balance” zu unterstützen.

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