Damals: Junger Mann geht nach seinem Abschluss an der Volksschule in die Lehre zum Tischler in seinem Heimatort. Nach Ablauf seiner Gesellenzeit geht er auf die Wanderschaft und erwirbt in diesen drei Jahren die unterschiedlichsten Handwerkstechniken. Am Ende seiner Wanderschaft lernt er eine junge Frau kennen und lieben. Sie heiraten und er steigt in den Tischlerei-Betrieb seines Schwiegervaters ein. Bei dessen Pension übernimmt er den Betrieb.
Heute: Junge Frau entschließt sich nach diversen Praktika schon während ihrer Schulzeit, nach dem Abitur ein soziales Jahr zu absolvieren. Während dessen bewirbt sie sich auf ihren Wunsch-Studienplatz, der für sie allerdings eine gewisse Wartezeit erfordert. Nach Ablauf der Wartezeit – sie hat sich nach dem sozialen Jahr mit diversen Nebenjobs über Wasser gehalten – beginnt sie fern ihrer Heimat ein Bachelor-Studium. Sie weiß schon jetzt, dass sie anschließend noch einen Master draufsetzen will, überlegt aber noch, ob Sie zwischen den beiden Studiengängen einige Jahre berufliche Praxis einbauen will. Während ihres Lebens wird sie immer wieder fachspezifische Fort- und Weiterbildungen absolvieren, um sich so auf den aktuellen Stand zu bringen. In ihrer Lebensmitte orientiert sich völlig um und wagt einen Neuanfang als Selbstständige. Von diesem Schritt hatte sie schon längere Zeit geträumt.
Archiv für Februar, 2011
Aus Erfahrung wissen wir, dass die Entscheidung für eine Weiterbildung oft ein längerfristiger Prozess ist, an dessen Beginn die Einsicht steht, etwas in seinem beruflichen Leben ändern zu wollen. Sei es der Wunsch nach einer besseren Bezahlung oder mehr Verantwortung, die Suche nach einem neuen Arbeitgeber oder gar eine berufliche Neuorientierung. In all diesen Fällen sollte ich mich fragen: Wohin will ich? Aber auch: Wo stehe ich eigentlich? Wo liegen meine persönlichen Stärken und welches Potenzial habe ich? Entspricht meine Selbsteinschätzung dem Bild, das andere von mir haben, und wie finde ich das heraus?
Nach 4 Wochen Asien sitze ich wieder an meinem Schreibtisch in der DUW. Viele schöne, aber auch kuriose Erinnerungen habe ich im Gepäck. Wenn es um Kommunikation geht, ist mein Geduldsfaden inzwischen vermutlich unendlich lang. Für uns sehr direkte und zielorientierte „Farangs“ ist es nicht immer leicht, mit anderen Mentalitäten umzugehen. Aber auch am „heimischen“ Arbeitsplatz frage ich mich manchmal: Spreche ich eigentlich Spanisch?
Am 31.01.2011 war die Forschungsstelle Weiterbildungsforschung und Bildungsmanagement der DUW Gastgeberin eines Vortrags von Prof. Dr. Ursula M. Staudinger mit dem (wie Frau Staudinger gleich zu Beginn einräumte) grammatikalisch nicht ganz lupenreinen Titel “Bildung für und während eines langen Lebens.” Dabei steht das “während” für das bereits weithin bekannte, aber noch (immer) unzureichend umgesetzte Konzept Lebenslangen Lernens; das “für” steht für die lebensbereichernde, ja sogar lebensverlängernde Wirkung von Lernen und Bildung.
Der enorme Zuwachs an nahezu 30 Jahren Lebenszeit erfordert dringend ein Umdenken im Hinblick auf die bisher eher unflexible, statische Sichtweise auf den Lebenslauf : also keine konsekutiven Phasen von (Aus-)bildung, Beruf und Ruhestand mehr, sondern eine flexible Parallelität von Beruf, Freizeit, und Lernen.